Stockholm Junior Water Prize 2018

Sprachlos – das beschreibt den Moment, als unser Forschungsprojekt bei der Sonderpreisverleihung am 26. Mai 2018 des 53. Jugend forscht Bundeswettbewerbs aufgerufen wurde, wohl am besten. Auf dem Weg zu den Moderatoren zerbrachen wir uns sichtbar den Kopf darüber, welche Preise noch nicht vergeben wurden und dann hallte es durch das Festzelt: wir wurden mit der Teilnahme am Stockholm Junior Water Prize (SJWP) 2018 ausgezeichnet!

Ende August würden wir mit Teilnehmern aus 31 weiteren Staaten in Stockholm in einem internationalen Wettbewerb antreten. Bei der After-Show-Party haben wir diesen Erfolg natürlich ausgiebig gefeiert – dieser Bundeswettbewerb beinhaltete wohl die spektakulärsten Tage in unserer achtjährigen Jugend forscht Laufbahn. Die nächsten Monate folgten jedoch ein großes Stück Arbeit – unsere Forschungsarbeit musste komplett auf englisch übersetzt werden, die Präsentation musste in eine digitale und interaktive Version umgewandelt werden, die Vorträge mussten mit den englischen Fachbegriffen geprobt und organisatorische Hürden gemeistert werden. Obwohl wir zu dritt bei Jugend forscht angetreten sind, konnten beim SJWP nur zwei Leute teilnehmen. So kam es, dass Felix Pochert und Swantje Pieplow unser Team repräsentierten und Annegrit Hübner als „non-official finalist“ mitreiste. Zudem begleitete uns unser Betreuer Heiko Pochert.

An einem viel zu frühen Morgen im August ging es dann in Tegel los: Auf nach Schweden! In Stockholm wurden wir von einem unserer Organisatoren abgeholt, er stellte sich als Edward vor und überreichte Swantje und Felix ihre Namensschilder. Als wir im Hotel ankamen und eincheckten, entdeckten wir am Fahrstuhl eine Liste, wann welche Nation eintreffen würde. Die meisten waren schon vor uns angereist, nur wenige kamen noch am nächsten Tag. Am Abend trafen wir dann auf die anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Natürlich hatten wir schon den ein oder anderen getroffen, aber bei dem gemeinsamen Essen konnte man sich dann doch besser kennenlernen. Das Lernen der Namen haben die meisten im Laufe der Tage aufgegeben und sich nur mit den Ländernamen angesprochen und so kam es, dass wir am ersten Abend mit der Schweiz, Ungarn, Canada und Australien an einem Tisch saßen.

Am nächsten Tag ging es das erste Mal wirklich um den eigentlichen Wettbewerb und wir sind gemeinsam zu den Präsentationsräumlichkeiten gegangen, um unsere Vorträge zu proben. Da es sich um digitale und interaktive Präsentationen handelte, waren unsere größten Ängste das plötzliche Auftreten von technischen Problemen. Bei der Übung waren diese zwar lästig, aber am Montag, dem Tag der Jurygespräche, würde so ein Zwischenfall wohl denkbar tragischere Folgen haben.

Der Tag der Präsentation: Voller Neugier und Ungeduld posierten wir auf der Eingangstreppe zum Präsentationsraum für die vielen Fotos. Endlich, als alle Schnappschüsse im Kasten waren, wurden die eingetroffenen Jurorinnen und Juroren vorgestellt: eine bunte Mischung aus internationalen Wissenschaftlern, Professoren und Vertretern von Hilfsorganisationen. Die Spannung stieg. Ich kann nicht sagen, für wen die Situation nervenzerreißender war, diejenigen unter uns, die in der ersten Juryrunde ihr Projekt verteidigen mussten oder jene, die stundenlang zwischen ihren Gesprächen ausharrten. Die ersten Runden machten sich bei den meisten durch ein etwas unsicheres Englisch bemerkbar, doch in kürzester Zeit festigten sich die Formulierungen und der Spaß übertraf die Nervosität. Mein Part – Annegrit Hübner – bestand in dieser Phase vor allem darin, meinem Team und allen anderen Mut zuzusprechen, da aufgrund der neuen Regelung maximal zwei Finalisten ein Land vertreten durften.

Nachdem Felix und Swantje die drei Juryrunden tadellos gemeistert hatten, wurden wir noch von einem unserer SJWP-Betreuer für die Facebook-Seite des SJWP interviewt. Während es anschließend für alle anderen Teilnehmer zum verdienten „Dinner and Bowling“ Abend ging, hatten wir noch einen ganz besonderen Termin: Wir wurden zusammen mit dem brasilianischen Teilnehmer als Ehrengäste in die brasilianische Handelskammer von Stockholm eingeladen. Neben unfassbar köstlichem Fingerfood wurden auch die Projekte erneut vorgestellt – dieses Mal auch zu dritt. Planmäßig sollten wir dann zum Bowling nachkommen, jedoch hat es so geschüttet, dass wir kurzerhand von dem Ehemann der Vorsitzenden der Handelskammer zu den anderen Finalisten gefahren wurden. Ein ereignisreicher Tag der mit japanischen Bowlinggewinnern, unfassbar glücklichen Finalisten und einem abgebrochenen Fingernagel endete. Der nächste Tag stand an und mittlerweile waren aus den bunt zusammengewürfelten Nationen echte Freundschaften entstanden. Ganz egal, ob bei Stadtrundgängen oder bei gemeinsamen Essen, die gemeinsame Vorfreude stieg stetig, denn zwei der absoluten Highlights standen noch aus: Die feierliche Preisverleihung samt After-Show-Party sowie das Royale Bankett. Bei der Vorbereitung dieser Events zeigte sich dann, was Nationen aus aller Welt wirklich zusammenschweißt: Haarspray. Da ich eine der wenigen war, die an Haarspray gedacht hatte, bildete sich recht schnell eine lange Schlange, damit auch ja keine Frisur verrutscht.

Die Mühe hatte sich gelohnt, denn die Preisverleihung war unglaublich: In Ballkleidern liefen wir über einen roten Teppich zum Ausstellungsraum, hier empfing uns auch Kronprinzessin Viktoria, um sich einen Überblick von den Projekten zu machen. Bevor das eigentliche Programm los ging, hatten wir dort auch die Möglichkeit mit einigen Bekannten zu reden, wie zum Beispiel dem Botschafter aus Mexiko oder der Vorsitzenden der Brasilianischen Handelskammer. Auch das Abendprogramm war spektakulär: die Finalisten schritten unter tosendem Applaus mit ihren Landesflaggen ein, begleitet von der schwedischen Kronprinzessin. Auch das Programm war vielseitig: wir lauschten Reden, tanzten zu verschiedenen Gruppen und genossen das – zum Leidwesen unseres Betreuers- vegetarische Drei- Gänge- Menü. Am Ende ging es für uns ab in den „Partykeller“ (wenn man das bei einem Nobelhotel so nennen darf), wo wir gemeinsam den Sieg des Teams Singapur feierten. Auch wenn die After- show- Party für unseren Geschmack viel zu kurz war, brauchten wir wohl alle den Schlaf, denn am nächsten Tag folgte das Royale Bankett. Dieses fand zu Ehren des Senior Water Prize in der Stadthalle von Stockholm statt. Wir konnten unseren Augen kaum Trauen als wir nach der Siegerehrung in den vergoldeten Festsaal gingen. Neben dem wohl köstlichsten Essen was man sich nur vorstellen konnte, genossen wir den Abend noch mal richtig. Vor allem für unseren Betreuer Heiko Pochert, welcher an diesem Tag Geburtstag hatte, war es ein besonderer Tag, denn die Geburtstagsglückwünsche kamen von niemand geringeren als Kronprinzessin Victoria persönlich.

Ich glaube, wir haben auch noch nie in unserem Leben so viele bedeutende Personen aus Forschung, Diplomatie und Management getroffen wie an diesem Abend! Dass wir nach diesem Tag royal geträumt haben liegt wohl auf der Hand. Unseren letzten Tag in Stockholm verbrachten wir mit Verabschiedungen und letzten Gruppenfotos. Zu viert machten wir dann ein letztes Mal die Stadt unsicher und schlenderten durch die schmalen Gassen bis zum Königspalast.

Es fällt uns bis heute schwer, dieses Erlebnis nur annähernd in Worte zu fassen, weil wir so viel erlebt haben. Es ist wohl kaum möglich, diese ganzen Emotionen zu beschreiben. Wir haben von Leistungsdruck über organisatorische Schwierigkeiten bis hin zu unendlichem Stolz und Euphorie alles erlebt und wir würden diese Erfahrung für nichts auf der Welt eintauschen wollen.

Danke Jugend forscht für diese Zeit!