Montag, 04.12.2023

Die Woche begann mit einem höchst ereignisreichen Tag am Flughafen. Aufgrund des turbulenten Wochenendes mit intensivem Schneefall herrschte eine ungewöhnlich hohe Frequenz am Flughafen. Etliche Menschen waren darauf bedacht, in den Urlaub zu fliegen oder einfach nur München zu verlassen, da sämtliche Flüge in den vergangenen Tagen abgesagt worden waren. Das Warten an der Gepäckabgabe zog sich über ganze 3 Stunden hin, da sämtliche elektronischen Abgabegeräte außer Betrieb waren. Weitere 2 Stunden verbrachte ich an den Sicherheitskontrollen, was meine Zeitplanung erheblich beeinträchtigte.

Schließlich erreichte ich das Gate gerade einmal 2 Minuten vor dessen Schließung, nur um die Mitteilung zu erhalten, dass das Flugzeug sich noch immer in Hamburg befand und nicht abheben konnte. Nach zahlreichen Versuchen und Aktualisierungen durfte ich schließlich um 18:00 Uhr, anstatt der ursprünglich geplanten 12:10 Uhr, in das Flugzeug einsteigen. Bedauerlicherweise wurde uns nach einer halben Stunde mitgeteilt, dass es keine Möglichkeit gibt, unser Gepäck mitzunehmen, und wir es nun in München zurücklassen müssen. Das besonders Frustrierende daran: Es besteht keine Option, es nachträglich zuzustellen.

Um 22:30 Uhr erreichte ich schließlich mein Hotel, wo ich äußerst freundlich empfangen wurde. Man versicherte mir, dass sämtliche Probleme in Bezug auf mein Gepäck gelöst werden und ich mir keine Sorgen machen müsse. Was für ein ereignisreicher Tag!

Dienstag, 05.12.2023

Am Dienstag ging es für uns alle früh aus dem Bett, denn es stand unsere erste Veranstaltung an. Ein Kennenlernen. Wir alle waren aus etwa 15 verschiedenen Ländern und kannten uns bisher nicht, also spielten wir einige Spiele um die anderen kennenzulernen. Im Anschluss bekamen wir eine kleine Einführung in das, was uns in der Woche erwarten würde.

Am Nachmittag/Abend ging es für uns dann auf Erkundungstour durch Stockholm. Stockholm kurz vor Weihnachten ist einfach wunderschön. Überall Weihnachtbeleuchtung und Dekoration. Die langen Shoppingmeilen der Stadt sehen dadurch viel belebter aus. Für mich ging es dann noch auf Shoppingtour, um die zurückgebliebenen Kleidungsstücke zu ersetzen, dies war jedoch schnell erledigt, sodass ich mich der restlichen Gruppe wieder anschließen konnte, um die Stadt weiter zu erkunden.

Mittwoch, 06.12.2023

Der wohl aufregendste Tag für uns alle stand bevor. Der SIYSS Seminartag.  Der Tag, an dem wir unsere Projekte der Öffentlichkeit präsentieren durften. Die Veranstaltung lief ähnlich ab wie bei Jugend forscht: Wir wurden unserem Projektstand zugeteilt und durften dort unser Projekt der Öffentlichkeit vorstellen. Die 2 großen Unterschiede: Wir mussten unsere Vorträge natürlich auf Englisch halten und wir durften zum krönenden Abschluss im größten Kinosaal der Stadt unser Projekt auf einer Bühne vor knapp 800 Zuschauern vorstellen. Eine einmalige Erfahrung. Sehr aufregend, aber wenn man einmal im „Flow“ ist, dann macht es echt Spaß.

Donnerstag, 07.12.2023

Am Vormittag stand für uns ein Besuch bei Scania an, dort wurde uns die Firmenstruktur gezeigt und wie sie die Zukunft umweltfreundlich und sicher gestalten wollen. Auch KI war ein großes Thema bei den Vorträgen. Ein kleines Highlight für mich war ein ausgestellter Rettungswagen aus den 20er Jahren.

Im Anschluss ging es für uns dann zu den Nobel Lectures in Medizin, eine Veranstaltung, bei der die Nobelpreisträger ihre Arbeiten vorstellen. Eine einmalige Erfahrung. Viele Preisträger gaben sich viel Mühe ihre komplexen Arbeiten so einfach wie möglich zu beschreiben, dass jeder die Chance hat zu verstehen, um was es in ihren Arbeiten geht.

Freitag, 08.12.2023

Auch heute standen für uns Nobel Lectures auf dem Tagesplan. Heute in Physik und Chemie. Im Anschluss ging es für uns dann zu Ericson. Dort wurde uns die Welt von morgen vorgestellt, eine vernetzte Welt. Uns wurde gezeigt, was alles möglich ist, wenn man alles miteinander vernetzt. Autos, die Fußgänger erkennen ohne teure Sensoren verbauen zu müssen, Bodytracking mittels Kleidung, automatische Fabriken und noch vieles mehr. Ein großes Thema dabei spielte auch künstliche Intelligenz und wie wir sie für unsere Vorteile einsetzen können.

Samstag, 09.12.2023

Einer der bisher besten Tage in Stockholm erwartete mich am Samstag. Der Tag begann mit einem Besuch im Vasa Museum in Stockholm. Eines der interessantestem Musen, die ich bisher besuchen durfte. Im Vasa Museum ist das Schiff „Vasa“ aus dem 17. Jhdt. ausgestellt, das erstaunliche dabei: in seiner originalen Form. Das Segelschiff der schwedischen Flotte sank bereits nach etwas mehr als einem Kilometer vor dem Hafen von Stockholm. Dabei wurde das Leben, so wie es im 17. Jhdt. war, konserviert und für die Nachwelt festgehalten. In den 60er Jahren begann man dann mit der Bergung des Schiffs und restaurierte es. Und so steht es heute, mit fast nur originalen Teilen, ausgestellt in einer riesigen Halle in Stockholm. Es war unglaublich interessant die verschiedenen Ausstellungsstücke aus 1628 zu sehen und wie das Leben damals war. Eine klare Empfehlung für jeden, der einen Ausflug nach Stockholm unternimmt.

Am Abend hieß es dann für uns Schickmachen, denn wir waren zur Nobel Reception eingeladen. Ein Meet and Greet der Nobelpreisträger. Dort hat man die Chance mit den Preisträgern ins Gespräch zu kommen und auch mit anderen Forschenden Ideen auszutauschen. So unterhielt ich mich beispielsweise mit einem Professor aus Stanford, der mich zu sich einlud, um sich von meiner Forschung ein genaueres Bild zu machen. Ein genialer Abend!

Sonntag, 10.12.2023

Am Sonntag stand der große Höhepunkt bevor – die eigentliche Nobelpreisverleihung. Wie jedes Jahr war der Vormittag am Sonntag nur für unser Styling bestimmt, da es bei der Verleihung eine sehr strenge Kleiderordnung gibt. Männer müssen Fracks tragen und Frauen müssen Ballkleider tragen, wird diese Kleiderordnung nicht eingehalten, ist kein Eintritt möglich. Anschließend bekamen wir unsere persönlichen Einladungen überreicht, in einem weißen Umschlag mit einer goldenen Schrift und einer Prägung der Nobelpreismedaille. Nach einem kleinen Fotoshooting folgte der Abschied, bei dem wir alle unsere Urkunden überreicht bekamen.

Schließlich machten wir uns in kleinen Gruppen in Taxis auf den Weg zum Stockholmer Konzerthaus, in welchem die eigentliche Verleihung stattfindet. Am Einlass erwartete uns eine große Menge an Polizei, alle Straßen waren gesperrt und über unseren Köpfen kreisten Polizeidrohnen. Die Sicherheitsstandards waren wirklich enorm hoch. In der Konzerthalle angekommen, wurden wir alle festen Plätzen zugewiesen, von welchen wir uns dann die Preisverleihung anschauen konnten. In Stockholm wird jedes Jahr der Nobelpreis für Medizin/Physiologie, Chemie, Physik, Wirtschaft und Literatur vergeben. Verliehen wird der Preis vom schwedischen König. Damit war auch die gesamte schwedische Königsfamilie während der Verleihung anwesend. Zwischen den einzelnen Verleihungen der Preise und der Laudatio spielte ein Symphonieorchester klassische Stücke.

Nach der Nobelpreisverleihung folgte das Nobelbankett, bei welchem alle Preisträger und wichtige Personen aus Forschung und Politik gemeinsam mit dem Königspaar in einem riesigen Saal, der „Blue Hall“, speisen dürfen. Anschließend wird dann noch zu Musik getanzt. Aufgrund der sehr begrenzten Plätze war es leider nur 2 Personen aus unserer Gruppe möglich diese Veranstaltung zu besuchen. Uns wurde das Nobel Dinner in einem separaten Raum serviert, in welchem wir die Geschehnisse in der Blue Hall live via Livestream mitverfolgen konnten. Das Dinner war ein einmaliges Erlebnis, selten bekommt man die Chance Kaviar und andere Feinkost zu probieren.

Im Anschluss an das Nobelbankett fand dann noch das alljährliche Students‘ Nobel Nightcap statt. Dieses findet jedes Jahr in einer anderen Eliteuniversität in Stockholm statt. Dabei handelt es sich um eine riesige Afterparty, bei der auch die Nobelpreisträger zu Gast sind. Die Party dauert die ganze Nacht. Ein wirklich besonderes Erlebnis. Die Uni wurde komplett umgestaltet, sodass man nicht einmal noch erkannte, dass es sich hierbei einmal um eine Universität gehandelt hat. Es gab dabei zwei verschiedene Eingänge, zwischen denen man wählen konnte. Zum einen gab es die Fantasywelt und die Real World. In beiden befanden sich zum dementsprechenden Thema passende Themenwelten, in welchen es dann verschiedene Speisen und Getränke gab.

Am darauffolgenden Morgen hieß es dann leider für uns schon völlig übermüdet und fertig von der Party Nacht Abschiednehmen und den Rückflug antreten.

Diese Woche war für mich wirklich eine der schönsten Wochen meines Lebens. Hätte mir vor einem Jahr jemand erzählt, was ich durch Jugend forscht in einem Jahr alles erleben darf, hätte ich es ihm wahrscheinlich nicht geglaubt. Wirklich ein „once in a lifetime“ Erlebnis. Ich hatte die Chance sehr viele tolle Menschen kennenzulernen, einen völlig neuen Einblick in die Wissenschaft zu bekommen und so viele neue Dinge zu lernen. Vielen, vielen Dank für diese einmalige Chance. Die SIYSS-Week wird für mich immer ein ganz besonderes Erlebnis bleiben, an das ich mich ein Leben lang erinnern werde.