Am 29. Mai 2021 kam ich inmitten der Zeit des Abiturs vom TMS nach Hause und schaffte es gerade rechtzeitig, mich in die online-Sonderpreisverleihung zuzuschalten. Mit einem Preis rechnete ich ehrlich gesagt nicht. Als sich die Preisverleihung dem Ende neigte und der letzte Preis angekündet wurde und dann mein Name fiel... Ich erinnere mich noch heute an die Euphorie, die ich damals verspürt habe. Meine Reise in die USA hat mich persönlich, wissenschaftlich und kulturell sehr bereichert und ich werde versuchen in dem Blog-Eintrag einen kleinen Einblick in diese wunderbare Zeit zu geben.

Am Samstag hatte ich noch die letzte Klausur des Semesters geschrieben, am Sonntag saß ich schon im Flieger, um zum ersten Mal in meinem Leben in die USA zu fliegen. Ich landete im Sonnenuntergang in Providence, der Hauptstadt des Küstenstaats Rhode Island, in dem ich die nächsten fünf Wochen verbringen sollte.In Deutschland waren zur Zeit meines Aufenthaltes Semesterferien, in den USA befanden sich die Studenten mitten im Semester. Ich wohnte im IEP House, einer Art kleinem Wohnheim für Studenten des International Engineering Programms (IEP). Dadurch kam ich nicht nur mit amerikanischen Studenten in Kontakt, sondern wohnte und lebte gemeinsam mit französischen, spanischen und deutschen Austauschstudenten in einem Haus.

Am Montag begann auch schon mein erster Tag im Labor. Da ich Medizin studiere, habe ich mich für ein Labor entschieden, in dem durch die Erforschung von Nanopartikeln die Behandlung von Lungenkrankheiten verbessert werden soll. Vereinfacht gesagt wird versucht kleine Kügelchen mit Medikamenten zu beladen, die anschließend im Rahmen der Anwendung inhaliert werden. Wichtig dafür ist, dass die Partikel eine perfekte Größe und Form haben und mit der nötigen Menge des Medikaments beladen sind, das wiederum kontinuierlich freigesetzt werden soll.
Auf der einen Seite müssen sie beispielsweise klein genug sein, um mit der Einatmung in die tiefen Regionen der Lunge zu gelangen. Auf der anderen Seite dürfen sie aber auch nicht zu klein sein, da sie sonst direkt wieder ausgeatmet werden.

An meinem ersten Tag wurde ich von der Vielfalt an technischen Geräten und Abkürzungen erschlagen. Zwei Doktoranden, die täglich die gesamte Zeit im Labor arbeiten, erklärten mir geduldig alles, was ich wissen musste und wollte. Mir wurde gezeigt, wie man Nanopartikel synthetisiert und anschließend charakterisiert. Auch nahm ich an den wöchentlichen Meetings teil und lernte dabei viel über wissenschaftliche Kommunikation und die Vorgehensweise beim Lesen von scientific papers. Am Ende meines Aufenthaltes durfte ich auch an einem kleinen eigenen Projekt arbeiten. Das Highlight meiner Zeit im Labor war die Möglichkeit die Bedienung eines Elektronenmikroskops zu erlernen und darin meine eigenen Nanopartikel zu untersuchen. Auf Nachfrage durfte ich auch in eine Anatomie-Vorlesung mit reinschauen und bekam so auch einen kleinen Einblick in den Unterricht an der Universität.

Die Atmosphäre im Labor war zu jeder Zeit sehr angenehm. Es wurde gemeinsam geplant, gearbeitet und gelacht. An meinem letzten Tag im Labor veranstalteten wir einen kleinen Kalibrierkurven-Pipettier-Wettbewerb. Nahezu alle erreichten das Ziel von einer Genauigkeit von 0,9999. Einen schöneren Abschluss hätte es nicht geben können.

Die Abende nutzte ich, um in das amerikanische College-Leben hineinzuschnuppern. Allein in meiner ersten Woche nahmen mich die anderen Studenten mit ins Fitnessstudio, ins Schwimmbad, zum Eislaufen und zum abschließenden Basketball-Spiel der Saison. Auch in den kommenden Wochen probierte ich die verschiedensten Sportangebote aus, die jeweils von Studierenden der Universität angeboten wurden und ebenfalls kostenfrei genutzt werden konnten. Als Ausklang des Tages saß ich mit den anderen Studenten gemeinsam im Wohnzimmer. Ob Kartenspiele oder einfach geselliges Beisammensitzen – Spaß hatten wir dort auf jeden Fall immer.

Die Wochenenden nutzte ich, um die nähere Umgebung zu erkunden. Dazu gehörten Providence, New Port, Narragansett, Wake Field und insbesondere Boston und New York. An meinem letzten Wochenende nahm mich meine Mitbewohnerin mit zu ihrer Familie und wir verbrachten die Tage in Massachusetts. So bekam ich auch einen kleinen Einblick das Leben einer amerikanischen Familie und das gemeinsame Kochen mit der Mutter werde ich so schnell nicht vergessen.

Ich wollte schon lange einmal in die USA reisen. Jugend Forscht hat mir diesen Traum ermöglicht und sogar noch mehr. Auch wenn fünf Wochen definitiv nicht ausreichen, um eine andere Kultur wirklich kennenzulernen, so habe ich durch die Zeit an der University of Rhode Island einen besseren Eindruck bekommen können, als im Rahmen einer Urlaubsreise möglich wäre. Ich bin unendlich dankbar für all die Erfahrungen, die ich hier sammeln konnte.