Dieses Mal mit ganz persönlichen Eindrücken...

Heute war die Ausstellung ein letztes Mal für die Öffentlichkeit und Sonderpreisjuroren zugänglich. Es waren einige Leute in der Halle, doch die wenigsten von ihnen sprachen Englisch. Viele machten einfach nur Fotos. Nach dem Mittag war die Situation ähnlich. Ich nutzte die Zeit, um Kontakte zu sammeln. Wir tauschten Nummern aus, lernten uns kennen und unterhielten uns nett.

In den letzten Tagen genoss ich besonders den Austausch mit dem Jungen, der den Stand gegenüber von mir hat. Er kommt aus China und spricht exzellentes Englisch. Sein Traum ist, an einer amerikanischen Universität zu studieren. Ich bin zuversichtlich, dass er das schafft.

„Kannst du dir eine Veränderung der Lage vorstellen?“, fragte ich einen Jungen aus Taiwan, einer der Sonderzonen Chinas (wie auch Macao und Hong Kong sind). „Nein“, antwortete er mir, und dass er sich keine Veränderung wünsche, aus Angst, dass alles noch schlimmer werden könnte.

China erscheint mir als Land der Kontroversen. Die Städte mit ihren Hochhäusern wirken ultramodern – die Skyline sieht wirklich aus wie in all den Marvelfilmen, die hier spielen. Das Land ist technologisch hoch entwickelt und setzt schon längere Zeit auf eigene Innovationen. Zugleich sind in Festlandchina jegliche soziale Netzwerke verboten, nur Wechat ist erlaubt. Die Menschen werden überwacht. Kritische Gedanken zu äußern bedeutet, nicht nur sich in Gefahr zu bringen, sondern die ganze Familie. Es gibt „Umerziehungslager“ für Muslime. Die Geschichte wird redigiert und die Wahrheit abgeändert. Die Volksrepublik China ähnelt mehr einem totalitären System.

Hier gibt es noch eine Mauer: die Grenze zwischen Macao und China.

„CASTIC shall be free of political, racial, gender, and religious bias an affiliation“, steht im International Participant Guide. Aber das ist kaum möglich. Wir sprechen über die Dinge, die uns bewegen. Ich staune, dass ein Chinese und ein Pakistani mit der deutschen Geschichte vertraut sind. Atheismus steht in Pakistan übrigens unter Todesstrafe.

Gestern Abend haben wir uns lange mit dem indischen Team unterhalten. Sie haben ebenfalls mit dem Jungen aus Pakistan Freundschaft geschlossen, obwohl oder vielleicht gerade weil um die Kaschmir-Region gekämpft wird. Politik wird in nahezu jedem Land von alten Männern gemacht. Wir sind eine neue Generation. Es ist wunderbar, hier in Frieden zusammenkommen zu können.

Teilnehmer aus Pakistan (links) und Thailand (rechts). Letzterer hat noch nie Insekten gegessen (immer diese Vorurteile ;)).

„Es gibt keine Lösung ohne dritten Weltkrieg“, meint der 15-jährige Teilnehmer aus Israel zur Lage in seinem Land. Das will ich nicht wahr haben. CASTIC zeigt mir, dass Kooperation und Freundschaften über Ländergrenzen hinweg möglich sind. Ich glaube an Diplomatie und friedliche Koexistenz. Die beiden Jungs aus Tel Aviv und auch ihr Betreuer haben keine Probleme, mit uns Deutschen Kontakt aufzunehmen. So erfahre ich, dass es kaum Züge in Israel gibt, weil es vor allem die älteren Menschen an den Holocaust erinnert.

Neue Bekanntschaften: Selfie mit einem Teilnehmer aus dem israelischen Team

Die letzten Tage demonstrierten mir, wie wichtig es ist zu kommunizieren und nicht nur auf seinen (oft falschen) Annahmen zu beharren. Es heißt übrigens Yog, und nicht Yoga, wie man in der ganzen Welt (fälschlicherweise) sagt – das indische Mädchen bat mich, diesen Irrtum zu korrigieren.

Was macht man mit dem Poster nach dem Wettbewerb? Zum Beispiel auf der Rückseite Teilnehmerunterschriften sammeln.

Ich stelle immer wieder fest, dass ich sehr glücklich bin, im reichen Deutschland in Frieden aufgewachsen zu sein. Einige Teilnehmer bekamen keine Unterstützung auf ihrem Weg hierher – sie mussten alles Finanzielle selbst aufbringen. An dieser Stelle möchten wir Jugend forscht und der Ernst A. C. Lange-Stiftung für die Unterstützung danken – nicht weil wir es müssen, sondern weil wir es wollen. Danke.

Fertig mit der Präsentation: Teilnehmerfoto nach dem Standabbau

Wenn man Jugendlicher in China ist, reicht es nicht, hundert Prozent zu geben, denn das tun alle. Eine „null Bock“-Einstellung, wie ich sie in Deutschland allzu oft erlebe, gibt es hier nicht. Viele träumen davon, an einer amerikanischen, britischen oder deutschen Universität zu studieren. Besonders die Universität in München scheint beliebt zu sein. Einige erzählen uns, dass sie Deutsch lernen wollen. Ich scheitere im Chinesischen schon bei dem Wort „Danke“.

Am Abend fand die erste Preisverleihung statt – die Sonderpreise wurden vergeben. Das Rahmenprogramm bildeten ein Chor und eine Ballettgruppe. Beides wurde von jungen Menschen gestaltet und befand sich auf hohem Niveau.

Tanzeinlage zur Sonderpreisverleihung: Chinesische Mädchen tanzen Ballett zu klassischer Musik.

 

Eines der deutschen Projekte wurde mit einem Sonderpreis ausgezeichnet – wenn ich nur lesen könnte, wofür…

Nach der Zeremonie, bei der ich mich besonders für jeden freute, der einen der zahlreichen Reisepreise gewann, gab es eine Lichtshow zu sehen. Dabei formten bunt leuchtende Drohnen bewegte Bilder. Es war das schönste und umweltfreundlichste Feuerwerk, das ich jemals gesehen habe. Die perfekte Illusion bildete einen wunderbaren Tagesabschluss.

Drohnen-Lichter-Show: eine Glühbirne mit dem Wort „idea“