Auch beim 51. Bundeswettbewerb von Jugend forscht wurde wieder der Sonderpreis zur Teilnahme am China Adolescents Science and Technology Innovation Contest (CASTIC) vergeben. Diesen August wurde er zum 31. Mal ausgetragen und fand in Shanghai statt. Wir - das sind das Physik-Team um Sonja Gabriel und Hannes Hipp sowie das Chemie-Team um Sandra Krogner und Michael Eibl - waren dieses Jahr die glücklichen Preisträger. Unser Dank gilt Uli Herwanger, der uns auf unserer unvergesslichen Reise begleitet hat und vor allem der Ernst A. C. Lange Stiftung als Preisstifter. Ni Hao Shanghai - sieben aufregende Tage in China.

Am 12. August startete die Reise ab dem Flughafen München. Alle Vorbereitungen waren abgeschlossen und damit konnten wir uns mit den englischen Plakaten und dem Anschauungsmaterial im Gepäck sowie dem englischen Text im Kopf auf den Weg machen. Nach der Anreise zum Flughafen aus der Nähe von Stuttgart bzw. dem Regensburger Umland, trafen wir uns mit unserem Begleiter Uli Herwanger. Mittag hoben wir dann zusammen gespannt auf die kommenden sieben Tage Richtung Osten ab. Nach dem 11-stündigen Flug kamen wir in den Morgenstunden in Shanghai an.

Stadt und noch mehr Stadt unter uns im ersten Tageslicht

Stadt und noch mehr Stadt unter uns im ersten Tageslicht

Hier wurden wir schon von unserer freundlichen Freiwilligen Ilona in Empfang genommen. Nun ging es mit dem Bus zu unserem Hotel. Dabei erhielten wir schon einmal ein Gefühl für die schiere Größe dieser Megastadt. Wir fuhren z. B. an riesigen Hochhaussiedlungen vorbei, bis wir nach einiger Fahrtzeit ankamen. Wir checkten ein, machten uns frisch und dann ging es schon in das gegenüberliegende Hotel zum Essen. Der Tisch mit der Drehscheibe war komplett mit Essen gefüllt, doch tat sich der ein oder andere schwer komplett auf Messer und Gabel verzichten zu müssen.

Mittagessen typisch chinesisch

Mittagessen typisch chinesisch

Am Nachmittag wurden wir zum Campus der East China Normal University gebracht, auf dem sich die Ausstellungsflächen der Projekte von 400 Chinesen sowie der circa 60 ausländischen Teilnehmer befanden. Wir bauten unseren Stand auf, tauschten uns schon mit einigen anderen internationalen Teilnehmern aus und dann ging es schon wieder zum Abendessen. Die freie Zeit am Abend nutzten wir trotz des Jetlags noch, um uns das Zentrum dieses Stadtteils von Shanghai anzusehen. Touristen sah man hier keine, dafür tanzende Chinesen auf den Plätzen oder eine Karaokeanlage direkt an einer Kreuzung.

belebte Hauptstraße unseres Stadtviertels

belebte Hauptstraße unseres Stadtviertels

Nach dem Frühstuck im gegenüberliegenden „Huhua International Hotel“ fuhren wir wieder auf den Campus, um die letzten Vorbereitungen an unseren Ausstellungsständen zu treffen, sowie das Schild für die Eröffnungszeremonie am Abend mit typisch deutschen Assoziationen wie Autos oder Brezen zu gestalten. Anschließend hatten wir Zeit zu unserer freien Verfügung, die wir nutzten, um Shanghai auf eigene Faust zu erkunden. Nach einer einstündigen Taxifahrt (für nur 5€) kamen wir in der Innenstadt an, wo wir unter anderem mit den heruntergekommeneren Teilen der Stadt konfrontiert wurden, aber auch den sich in der Altstadt befindenden Yu-Garten als Beispiel traditioneller chinesischer Gartenarchitektur besichtigt haben.

Traditionelle Chinesische Gartenarchitetkur im Yu-Garten

Traditionelle Chinesische Gartenarchitetkur im Yu-Garten

Interessant war dabei auch der Besuch eines traditionellen taoistischen Tempels. Nach einem Mittagessen in der Stadt fuhren wir wieder zurück, um zur  großen Eröffnungszeremonie zu gehen. Dort repräsentierten je zwei Personen mit ihren zuvor angefertigten Schildern das jeweilige Herkunftsland bzw. bei den Chinesen die jeweilige Provinz, Reden wurden gehalten und es gab diverse Showeinlagen.

Vertreter aller Länder und Provinzen bei der Eröffnungszeremonie

Vertreter aller Länder und Provinzen bei der Eröffnungszeremonie

Am Montag war die gesamte Ausstellung für die Öffentlichkeit offen. Nach einem Frühstück im Hotel wurden wir also direkt zum Campus gebracht und kamen nur für das Mittag- und Abendessen kurz zurück. Der Ansturm war groß, doch leider konnten viele der chinesischen Besucher nur schlecht bis gar kein Englisch, was die Kommunikation natürlich erheblich erschwerte. Dafür wollte jeder Bilder von und mit uns machen, was mit der Zeit tatsächlich etwas nervig war.

Besucheransturm auf die Ausstellungshallen

Besucheransturm auf die Ausstellungshallen

Der ganze Dienstag war den Jury-Gesprächen gewidmet. Mehrere Juroren besuchten die Stände jeweils einzeln über den Tag verteilt. Aufgrund unterschiedlicher Englischkenntnisse der Juroren waren einige Gespräche etwas erschwert, während sich aus anderen durchaus neue interessante Anregungen ergaben. Zwischen den Gesprächen nutzten wir die Zeit zum Austausch mit den anderen internationalen Teilnehmern mit sehr spannenden Projekten. Wir hatten auch einmal die Gelegenheit durch die Ausstellungshallen der Chinesen zu gehen und uns das ein oder andere Projekt erklären zu lassen. Nach dem Abendessen gingen wir mit einigen anderen Nationen wieder in die Hauptstraße unseres Stadtviertels. Dieses Mal mischten wir uns auf einem Platz sogar unter die tanzenden Chinesen, was uns zu einer regelrechten Attraktion machte. Nach einem Abstecher in die Bar am Hotel, um Billiard und Kicker zu spielen, ging es in den letzten Wettbewerbstag.

Der zweitletzte Tag in Shanghai begann mit einer finalen Präsentationsrunde für die Öffentlichkeit. Vormittags kam noch einmal die Shanghaier Bevölkerung zu unseren Projektständen und ließ sich die Projekte erklären. Trotz der Kommunikationsschwierigkeiten gelang es uns, nicht zuletzt aufgrund unserer grandiosen und sehr freundlichen Begleiterin Ilona und der Hilfe von Google Übersetzer, den meisten Leuten zu erklären, warum eine Gurke nur auf einer Seite leuchtet und wie man Lidocain aus Springkraut gewinnt. Besonders aufregend wurde es für uns und auch für die vielen Besucher, als der chinesische Vizepräsident durch die Ausstellung lief. Es bildete sich schlagartig eine Menschentraube um ihn. Wir hatten das Glück, dass der Vizepräsident sogar zu uns an den Stand kam und sich das Projekt von seinem Übersetzer erklären ließ. Wie alle Chinesen, die an unserem Stand waren, sah er das erste Mal eine leuchtende Essiggurke und war sichtlich verdutzt. Im Folgenden wurde dann das Phänomen erklärt und wir bekamen einen Händedruck.

Besuch des chinesischen Vizepräsidenten am letzten Wettbewerbstag - hier vor dem Stand von Sonja und Hannes

Besuch des chinesischen Vizepräsidenten am letzten Wettbewerbstag – hier vor dem Stand von Sonja und Hannes

Der Vormittag endete mit dem Abbau und den Besuchen vieler Wissenschaftsvertreter der teilnehmenden Länder und der Vizedirektorin der „Shanghai Science Association for Young Talents“. Sie gab uns ihre Karte und äußerte den Wunsch, dass wir unsere Plakate doch bitte hierlassen sollen, damit diese ausgestellt werden können. Es ist nicht nur der Wettbewerb an sich, sondern auch die vielen Bekanntschaften, Freunde und Connections, die man sich auf Wettbewerben wie diesem gewinnt, die unsere China-Reise wirklich aufregend und lohnenswert machten.

Am Nachmittag besuchten das China Art Museum. Im und unter dem gigantischen Bauwerk war eine große Kunstausstellung untergebracht. Gegenüber dem Museum befand sich ein BMW-Testgelände, welches zunehmend die Aufmerksamkeit der bayerischen Mitreisenden auf sich zog. Im Museum durften wir dann mit einem Aufzug auf die oberste Etage fahren und konnten dort nicht nur die Kunstwerke, sondern auch die Shanghaier Skyline und die Mercedes-Benz-Arena, welche wie ein gerade gelandetes UFO aussah, bewundern. Ilona, unsere Begleiterin, war sogar so freundlich, uns dort ein kleines Geschenk zu kaufen.

China Art Museum im China Pavilion bei der Expo 2010

China Art Museum im China Pavilion bei der Expo 2010

Zurück im Hotel hatten wir nur wenig Zeit uns auf die abendliche Award-Ceremony vorzubereiten, da die Fahrzeiten in Shanghai, nicht zuletzt auch wegen des enormen Verkehrsaufkommens, der Größe Shanghais und des scheinbar laxen Umgangs mit einigen Verkehrsregeln, sich oft über Stunden erstreckten. Die Award-Ceremony fand 2 Stunden vom Hotel entfernt in einer großen Halle statt. Da wir am Tag zuvor alles schon proben mussten, wussten wir bereits wie alles ablaufen würde. Was wir allerdings noch nicht wussten, waren die Platzierungen. Dem Großteil der Show mit Reden von Politikern und der Preisvergabe an die Chinesen konnten wir wieder nur begrenzt bis nicht folgen aufgrund der Sprachbarriere, was über den Zeitraum von mehr als einer Stunde fast eine bizarre Erfahrung ist. Auch diese Zeremonie war wie unser gesamter Aufenthalt in Shanghai genau durchstrukturiert, was sich beispielsweise an der Vielzahl der Platzanweiser auf der Bühne zeigte. Ebenfalls amüsant – aus europäischer Perspektive – war, dass die Moderatoren auf der Bühne mit DIN-A4 Moderationskarten durch den Abend führten. Zum Glück wurden die Platzierungen auf Englisch verkündet: Team „Gewinnung eines Blütenöls von Impatiens glandulifera und Identifikation der Inhaltsstoffe“ aus Bayern gewann den zweiten Platz und Team „Urknall-Gurke“ aus Baden-Württemberg gewann den dritten Platz.

nach der Preisverleihung mit unseren Medaillen - links im Bild: Ilona

nach der Preisverleihung mit unseren Medaillen – links im Bild: Ilona

Am letzten Tag in Shanghai stand Sightseeing auf dem Plan. Wir verbrachten den ganzen Tag bis zum Rückflug damit, uns die Sehenswürdigkeiten in Shanghai und eine kleine Stadt außerhalb von Shanghai anzuschauen. Wie immer war alles rund um die Uhr durchgeplant. Der englische Name der Stadt war „The Ancient Town“ und dort sollten wir dementprechend eine „traditionelle“ chinesische Stadt sehen. In dieser Art „Vorzeigestadt“ für riesige Besuchermassen fuhren beispielsweise Gondoliere auf den engen Flüssen zwischen den unzähligen kleinen Souvenier-Läden und Restaurants. Wir kauften uns zunächst Fächer, da die Hitze, wie bei unserer gesamten China-Reise, wirklich unerträglich war. Wir hatten uns bisher noch nie so lange draußen ohne Klimatisierung aufgehalten.

Gondelfahrt in der uralten Stadt

Gondelfahrt in der uralten Stadt

Am Nachmittag besichtigten wir die Shanghaier Innenstadt. Man merkt dort deutlich, dass dies das Vorzeige-Viertel der Stadt ist. Die Architektur ist sehr westlich geprägt und wir konnten sogar einige Nachbauten entdecken: Wir sahen beispielweise ein Gebäude, offenbar ein Kasino, welches dem Reichstagsgebäude zum Verwechseln ähnlich sah. Nirgendwo sonst in der Stadt konnten wir derartige Architektur sehen. Eine andere Straße sah aus und fühlte sich an wie das chinesichesche Pendant zum NYC Times Square.

Menschenmassen und bunte Lichter in Shanghai Downtown

Menschenmassen und bunte Lichter in Shanghai Downtown

Der Weg zum „Bund“ führte durch die größte Fußgängerzone Shanghais. Ich habe Grund zur Annahme, dass ich am diesem Tag in Shanghai mehr Menschen gesehen habe, als in meinem gesamten Leben zuvor zusammengenommen. Als wir schließlich am „Bund“ – dem Zentrum Shanghais – angekommen waren, konnten wir die Shanghaier Skyline bewundern. Dort waren so viele Menschen, dass wir eine gefühlte Ewigkeit auf einen geeigneten Foto-Platz warten mussten. Am „Bund“ gab es ebenfalls viele Gebäude aus der Kolonialzeit zu betrachten.

Gruppenfoto vor der Skyline

Gruppenfoto vor der Skyline

Wir hatten uns entschlossen mit der Transrapid-Bahn, ein Wunderwerk deutscher Ingenieurskunst, zum Flughafen zu fahren. Ich kann nur für mich sprechen, aber ich glaube es war für uns alle das erste Mal, dass wir mit einer Magnetschwebebahn fahren konnten. Für mich war diese Fahrt eines der Highlights unserer Reise.

Als wir schließlich 12h später in München mit unglaublich vielen neuen Eindrücken und Erfahrungen ankamen, verabschiedeten wir uns froh, diese einmalige Gelegenheit erhalten zu haben. Dennoch war es auch wieder schön zu Hause zu sein, vor allem als man draußen das erste Mal wieder gute, kühle Luft einatmete. Ohnehin war diese Reise eine, die wir gerne und noch lange in unserer Erinnerung behalten werden.