Jedes Jahr wird beim Bundeswettbewerb von Jugend forscht der Sonderpreis für einen Forschungsaufenthalt an der University of Rhode Island vergeben. Dieses Jahr hatte ich das große Glück diesen zu gewinnen und durfte den gesamten August in Amerika verbringen.

Bereits die Anreise war das erste Abenteuer. Mein Flug von München nach Washington hatte bereits eine halbe Stunde Verspätung, sodass ich zu spät in Washington ankam. Das wäre an sich noch kein Problem gewesen, allerdings waren im Flughafen nur zwei Einreisekontrollen besetzt, für ca. 200 Personen! Und nachdem ich ganz hinten im Flieger saß, war ich auch der letzte in der Schlange. Obwohl ich die erste Dreiviertelstunde bei der Einreise verbracht hatte, dachte ich, dass ich meinen Flieger immer noch erreichen kann. Aber anstatt direkt zu meinem Gate zu kommen, musste ich erst im dortigen Flughafen mein Gepäck neu aufgeben und neu einchecken. Wieder mit einer riesen Schlange! Als ich dann endlich durch war, hatte ich noch zehn Minuten Zeit. Tja, aber mein Flug ging leider von einem anderen Terminal aus… nach einer Fahrt mit dem Shuttle war ich dann fünf Minuten nach Boardingende am Gate. An der Stelle muss ich erwähnen, dass die Amerikaner in Sachen Kundenbetreuung und die Angestellten echt toll aufgestellt sind. Die Frau an der Info hat mich erst mal „beruhigt“ und konnte dann ohne Probleme meinen Flug auf einen späteren Flieger umbuchen – zum Glück gab es noch einen um 10 Uhr abends. Die fünf Stunden im Flughafen habe ich irgendwie rumgebracht und schließlich bin ich dann um halb eins in Providence gelandet. Kurz vor dem Start hatte ich noch meine Kontaktperson bei URI erreicht und besprochen, wie ich weiter zum Campus komme. Abholen konnte mich leider keiner mehr, deshalb sollte ich ein Taxi nehmen. Nach meiner 25-Stunden-Reise ging ich also zum Taxistand am Flughafen und bekam auch gleich ein Taxi. Dann kam das nächste Problem: Obwohl ich der Fahrerin die genaue Adresse geben konnte, schien sie Probleme zu haben, die richtige Richtung zu finden. Die Verständigung stellte sich als schwierig heraus, da die Taxifahrerin nur ein Spanisch-Englisch-Mischmasch sprach. Aber schließlich kam ich im TI house an und war um 100 Dollar ärmer (die ich jedoch später zurückbekommen habe).

Am nächsten Tag ging es dann auch gleich zeitig los, im nahliegenden Schneider Electric Gebäude. Aufgrund der Neugestaltung des Engineering Buildings auf dem Campus sind einige Departments dahin ausgelagert. Dort begann meine Forschung im Wearable Biosensing Lab. Das Labor wird von Professor Kunal Mankodiya geleitet. Es beschäftigt sich mit interdisziplinärer Forschung von Biomedical Sensors und Wearable Embedded Systems. Ich arbeitete unter Leitung von Josh Gyllinsky an einem „Spider-Robot“.

Studentenwohnheim

Mein Zuhause in Amerika

Nachmittags konnte ich dann in mein Zimmer im IEP house einziehen. Für die nächsten fünf Wochen sollte ich dort leben. Das IEP house ist eines von zwei Studentenwohnheimen für internationale Studenten. Nachdem gerade Semesterpause war, hatte ich das gesamte Haus so gut wie für mich. Obwohl kaum jemand auf dem Campus lebte, konnte ich schnell neue Freunde finden. So habe ich die Gegend mit einem geliehenen Fahrrad erkundet und bin im nahegelegenen Klettercenter klettern gegangen. Die Offenheit und Freundlichkeit der Amerikaner gegenüber Fremden hat mich dabei fasziniert. Egal ob auf dem Campus, beim Klettern, in New York City – man kommt wahnsinnig schnell ins Gespräch und wird dann gerne auch mal eingeladen. So bin ich mit einer Freundin zum Strand gefahren oder habe mit Freunden gegrillt. Frau Dr. Berka hat sich dabei um mich gekümmert und verschiedene Leute angeschrieben, die sich dann mit mir getroffen haben. Dadurch konnte ich einiges über Amerika und das Alltagsleben erfahren sowie einen tieferen Einblick in deren Schulsystem erhalten. Z. B. hat mich ein Französischprofessor der Universität gemeinsam mit seinem Sohn zum Hotdog grillen eingeladen. Wir haben also Würste (und auch die Brote) auf Stecker aufgespießt und über dem offenen Feuer im Garten gebraten. Es kam dann auch noch ein Freund dazu und wir hatten einen heiteren Abend, wobei wir über Freizeit, Schule und kulturelle Unterschiede gesprochen haben. Ein besonderes Highlight war das anschließende Schmurgeln von Marshmallows mit Schokolade, die hervorragend geschmeckt haben! Auch am Strand war ich ein paar Mal und habe die Erfrischung genossen.

Strand mit Personen

Scarborough Beach

Durch die Forschungsarbeit im Lab habe ich auch einiges gelernt und viel Spaß gehabt: Mein Projekt bestand dabei aus der Konstruktion und Programmierung eines „Spider Robots“. Ich begann mich mit der dortigen CAD Software FreeCAD vertraut zu machen und deren Tücken zu lernen. Als Nächstes erstellte ich einige Teile für spezielle Anwendungen im Lab und druckte diese an 3D-Druckern aus. Als nächstes designte ich den gesamten Roboter und baute diesen in mehreren Runden (von drucken, testen, überarbeiten und wieder drucken) zusammen. Schlussendlich hatte ich einen eigenen Roboter, der auch beliebig vervielfältigt werden kann. Der zweite Schritt war die Elektronik für Mikrocontroller aufzubauen und zu testen. Im dritten Schritt erstellte ich die Software für den Mikrocontroller und das PC-Backend. Nach gerademal einem Monat Arbeit hatte ich einen funktionstüchtigen „Spider-Robot“ erstellt, der per Server gesteuert werden kann. Die Zeit ging leider viel zu schnell vorüber und so habe ich zwar das Grundgerüst geschaffen, aber das eigentliche Experiment steht natürlich noch aus. Wir planen im Moment die weitere Forschung im Bereich künstlicher Intelligenz. Die Arbeit hat dabei sehr viel Spaß gemacht, neben der offensichtlichen Arbeit am Projekt hatte ich Zeit mit dem amerikanischen Forschungsalltag vertraut zu werden und habe einiges über die Durchführung einer wissenschaftlichen Arbeit gelernt. So haben wir auch einige Male gemeinsam an schwierigen Problemen getüftelt und bis spät in die Nacht gequatscht.

Wenn ich mal nicht im Labor war, habe ich Tagesausflüge unternommen und Rhode Island besser kennengelernt.

South County Bike Path Rhode Island

Radtour auf dem South County Bike Path

Beindruckend waren z. B. der Cliffwalk und die Mansions von Newport oder die Skyline von Boston. Außerdem habe ich eine ganze Woche in New York City verbracht. Nach einer langen Busfahrt (der Bus kam zunächst nicht) habe ich sechs spannende Tage in NYC verbracht, einer wirklich riesigen, wenn auch chaotischen Stadt und mir dabei einige Sehenswürdigkeiten angeschaut. Besonders beindruckend fand ich die Skyline von der Staten Island Ferry aus. Da ich in einer Jugendherberge übernachtete, konnte ich an günstigen Stadttouren teilnehmen und so andere Gäste kennenlernen und neue Freunde finden. Gemeinsam mit diesen habe ich dann die restlichen Tage verbracht und wir haben NYC zu Fuß entdeckt.

Blick auf Skyline

Blick auf die New Yorker Skyline

 

Die fünf Wochen vergingen viel schneller als gedacht. Schließlich hieß es wieder Abschied nehmen von all den neuen Freunden, die ich in der kurzen Zeit kennengelernt habe. Aber hoffentlich komme ich bald wieder mal nach Amerika und kann die Kontakte aufrechterhalten. Rückblickend hatte ich eine fantastische Zeit in den USA, wobei ich nicht nur meine technischen Fähigkeiten und Kenntnisse erweitern konnte, sondern auch eine neue Perspektive auf Amerika und die Welt entdeckte. Für diese Möglichkeit möchte ich mich herzlich bei Jugend forscht, den Preisstiftern, der University of Rhode Island und der Ernst A.C. Lange-Stiftung, bedanken.